In 50 Jahren könnte Weihrauch ausgelöscht werden

Das uralte Harz, das von der Aromatherapie bis zu katholischen Zeremonien verwendet wird, wird überstrapaziert.

In Teilen Afrikas und Indiens produzieren wilde Bäume Weihrauch, ein uraltes aromatisches Harz, das aus dem Saft ihrer Stämme gewonnen wird. Bekannt für seine biblische Bedeutung - Weihrauch war eines der drei Geschenke der Könige (neben Myrrhe und Gold) - wird das duftende Material in Parfums und Weihrauch zum Kochen und für religiöse Zeremonien verwendet.

Seit Jahrtausenden entfernen Weihrauchhäcksler mehrmals im Jahr die papierartige Rinde von Bäumen, damit Tränen des ausgehärteten Harzes auftauchen. Jetzt nimmt die Population der Bäume, die für diesen süßen, holzigen Duft verantwortlich sind, aufgrund ausbeuterischer Klopfpraktiken stetig ab. Zwei weitere Faktoren - die landwirtschaftliche Rodung in den Wäldern, in denen diese Laubbäume gedeihen, und Störungen durch Bockkäfer (die ihre Eier in der Rinde ablegen) - verschärfen das Problem.

Eine neue Studie niederländischer und äthiopischer Ökologen, die kürzlich in der Zeitschrift veröffentlicht wurde, besagt, dass die weltweite Weihrauchproduktion in den nächsten 20 Jahren halbiert werden könnte. Die Forscher sagen voraus, dass 90 Prozent der Bäume der Welt bis 2070 verschwinden werden.

"Die derzeitige Bewirtschaftung der Bevölkerung ist eindeutig nicht nachhaltig", sagte der leitende Forscher Frans Bongers von der Universität Wageningen in den Niederlanden in einer Erklärung. "Unsere Modelle zeigen, dass innerhalb von 50 Jahren die Bevölkerung dezimiert wird und der Rückgang der Bevölkerung bedeutet, dass die Weihrauchproduktion zum Scheitern verurteilt ist."

Das Wissenschaftlerteam untersuchte ein Gebiet im Nordwesten Äthiopiens, das den Blauen Nil küsst und in dem sowohl abgezapfte als auch nicht abgezapfte Bäume zu finden sind. In ihrer Studie erläuterten sie ihre Methode zur Vorhersage der Lebensdauer von Weihrauchharz in den kommenden Jahrzehnten. Nach der Analyse der Wachstumsringdaten von mehr als 20.000 Bäumen stellten die Ökologen fest, dass mehr als 75 Prozent der untersuchten Populationen kleine (sprich: junge und ungenutzte) Bäume fehlten und diese Exemplare sich seit Jahrzehnten nicht mehr auf natürliche Weise regenerierten.

Die Messung des Wachstums und der Samenproduktion ergab, dass diese Bäume konsequent auf ihr duftendes Harz abgeklopft wurden, um „Samen zu produzieren, die nur zu 16 Prozent keimen, während Samen von Bäumen, die nicht abgeklopft wurden, zu mehr als 80 Prozent keimen“.

In Zukunft schlagen die Ökologen vor, dass diese Bäume und der von ihnen erzeugte bernsteinfarbene Gummisaft geschützt werden können, indem die Häufigkeit des Abfangens reguliert und das Landmanagement allgemein verbessert wird. Es dauert bis zu 10 Jahre, bis die Setzlinge ausgewachsen sind. Daher ist es von größter Bedeutung, dass Insekten, Waldbrände und Menschen ihr Wachstum nicht behindern.